Erinnerungen an Romulus, Kapitel 11
Zwanzig Tage Arrest
„…der Senat sich gezwungen eine Entscheidung zu fällen. Da sich weitere Kolonien für unabhängig erklärten um ungeliebten Gesetzen wie der Besteuerung der Tempelanlagen zu entgehen, droht auf Romulus nun eine Hungersnot. Denn mit der Unabhängigkeit wurden nicht nur Erzlieferungen, sondern auch die lebenswichtige Nahrungsversorgung eingestellt. Die Kolonien stellen teilweise horrende Preise um die Lieferungen wieder aufzunehmen. Ein kleiner Lichtblick am Horizont ist das Volk der Ferengi, das für einige Sonderverträge bereits einen Konvoi mit Nahrungsmitteln für Romulus geschickt hat. Doch…“ Die Übertragung des Nachrichtensystems wurde unterbrochen. Nach wenigen Sekunden kehrte das Bild zurück. „Auf Remus sind Kämpfe zwischen den Einheimischen Remanern und den romulanischen Schutztruppen ausgebrochen. Die Romulaner haben sich auf ihre Schiffe zurückgezogen um abzuwarten wie sich die Situation entwickelt. Doch remanische Terroristen seien in eine Forschungsanlage eingedrungen und hätten experimentelle Waffen in ihren Besitz gebracht. Sie drohen damit die Waffen die Romulus einzusetzen.“
Kabal schaltete die Übertragung ab. Das Komitee der Kolonie war in seinem Büro versammelt und sah ihn fragend an. „Die Forderungen von Romulus sind nicht zu erfüllen. Entweder wir liefern unsere gesamte Ernte ab und verhungern dann selbst, oder wir folgen dem Beispiel der anderen Kolonien“, erklärte Kabal schließlich. „Diese Entscheidung will ich nicht treffen. Entscheidet selbst über das Wohl eurer Familien.“
„Wir haben dieses Mal nicht mit Vergeltungsmaßnahmen zu rechnen“, meinte der Vorsitzende des Komitees.
„Doch die Kosten der Unabhängigkeit sind enorm. Wir müssten dann selbst Handelsverträge abschließen und die gesamte Verwaltung würde auf unseren Schultern lassen. Eine Fehlentscheidung würde sich viel schlimmer aufwirken als bisher“, ermahnte Kabal.
„Wir sollten vorsichtig sein. Sollten wir uns abtrennen, wäre mit vielen Hürden zu rechnen wenn wir jemals wieder ins Reich zurückkehren wollen. Deshalb sollten wir uns erst gar nicht vom Reich abtrennen. Leisten wir lieber unseren Beitrag und warten ab.“
„Eine weise Entscheidung des Komitees. Ich werde der Heimatwelt unsere Entscheidung sofort mitteilen. Allerdings…“
„Wir wissen um Ihren Streit mit dem Gesandten. Und Sie sollten wissen, dass wir hinter Ihnen stehen. Wir sind zwar noch loyal zur Heimatwelt, doch unseren Glauben lassen wir nicht besteuern“, unterbrach der Vorsitzende. „Wir überlassen Sie jetzt Ihren Aufgaben und wir treffen uns morgen wieder. Zur üblichen Zeit?“
Kabal nickte und brachte die drei Leute zur Tür. Sie verabschiedeten sich herzlich. Erschöpft nach den stundelangen Gesprächen mit den drei gewählten Repräsentanten der Kolonie kehrte Kabal ins sein Büro zurück.
Doch jetzt saß jemand in seinem Sessel, die staubigen Stiefel auf der Arbeitsfläche und einem Strohhalm zwischen den Zähnen.
„Wer sind Sie?“ fragte Kabal skeptisch.
„Namen tun nichts zur Sache. Sind Sie Verweser Kabal?“
„Kann sein. Wer will das wissen?“
„Romulanische Staatssicherheit. Ich habe einen Haftbefehl gegen Verweser Kabal wegen eines Angriffs auf einen Repräsentanten des Senats. Gesandter Claudius hat mit einem weiteren Zeugen die Anklage bestätigt. Ich soll den Verweser nun zur Anhörung vor dem Senat nach Romulus bringen. Also sind Sie nun der Verweser oder nicht?“
„Ich bin Kabal. Doch was mir zu Last gelegt wird, ist nicht wahr.“
„Erklären Sie das vor dem Senat“, antwortete der Mann und stand auf. Er zückte Handschellen und kam näher. „Leisten Sie keinen Widerstand oder versuchen Sie nicht zu fliehen. Weitere Männer sind in der ganzen Anlage verteilt. Wir haben Order die nötigen Maßnahmen zu ergreifen, wenn nötig.“
Widerstandslos streckte Kabal dem Mann die Arme entgegen und ließ sich die Fesseln anlegen. „Wer führt die Geschäfte von New Sparta jetzt weiter?“
„Solange Ihre Anhörung stattfindet wird, das planetare Komitee mit der Aufgabe betraut. Sollte die Anklage nicht bestätigt werden, kehren Sie sofort wieder zurück. Ansonsten fällt die Verwaltung für die Dauer Ihres Arrests an den Senat.“
„Wie passend“, murmelte Kabal und folgte ihm nach draußen. Erst jetzt fiel ihm auf dass in jedem schattigen Winkel weitere Männer und Frauen versteckt gewesen waren. Das Netz hatte sich wirklich eng um ihn geschlossen. Mit einem Dutzend Begleiter trat er vor die Tür des Verwaltungsgebäudes, wo ein Transporter vorfuhr.
Kabal wurde vom Transporthafen gebracht und von dort in den Orbit. Dort wartete bereits ein neuer Kreuzer der Dera-Klasse. Kabal bekam jedoch nur die Arrestzelle von innen zu sehen.
Der Transfer dauerte elf Tage, da mehrere Zwischenstopps eingelegt wurden. Der Reihe nach füllten sich die Arrestzellen mit weiteren Leuten, die von dem Sammelschwadron eingesammelt wurden. Der letzte Stopp war auf Remus, wo eine remanische Kampfeinheit an Bord geholt wurde. Kabal war entsetzt als er sah wie sich die Remaner in den wenigen Monaten seit seiner Verlegung von Remus weg verändert hatten. Sie hatten nun kleine stechende Augen und eine bleiche Haut, die sie wie Monster aussehen ließ.
Kabal konnte nur wenig von den Mitgefangenen erfahren. Die meisten wichen seinen Fragen aus, weil die Wachen immer wieder erwähnten dass Agenten des Geheimdiensts unter den Gefangenen wären und die Leute aushorchen würden. Da dauernd Leute zu Verhören abgeführt würden, waren die meisten eingeschüchtert. Da Kabal als erster Gefangener hier gelandet war, wusste er aber auch nicht mehr.
Schließlich wurden sie einzeln von Bord gebracht, in das Staatsgefängnis von Romulus. Dort saß Kabal zwischen Mördern und anderem Gesindel, und der remanischen Kampfeinheit, die total ausgehungert zuallererst über einen kranken Gefangenen herfiel und ihn zerfleischte.
Am nächsten Morgen tauchten plötzlich mehrere schwer bewaffnete Wachen auf und nahmen vor den Zellen Aufstellung. Dann erschien ein Regierungsbeamter mit einer Liste in der Hand. „Ist ein gewisser Kabal, seines Zeichens Verweser, anwesend?“
Kabal sprang sofort auf. „Ich bin hier.“
„Zelle öffnen. Bringen Sie den Mann raus“, befahl der Beamte. Sofort gingen die Wachen in Stellung, dann schnappte das Schloss auf und die Tür glitt zur Seite. Kabal verließ die Zelle, die sofort wieder geschlossen wurde.
„Verweser Kabal, es tut mir schrecklich leid dass Sie die Nacht hier verbringen mussten. Es war ein Kommunikationsproblem. Jemand hat vergessen Ihren Ehrentitel durchzugeben und es dauerte einige Zeit bis der Fehler erkannt wurde.“
„Entschuldigen Sie sich nicht bei mir“, knurrte Kabal, „sondern bei dem Gefangenen, der von den Remanern getötet wurde.“
„Diese Tiere. Kommen Sie, verschwinden wir. Der Gestank hier ist ja unerträglich.“ Freundlich deutete der Mann auf die Tür. Kabal ließ sich nicht zwei Mal bitten.
Kaum hatten sie den Zellentrakt verlassen, da legte man ihm bereits wieder Handschellen an als wäre er ein Schwerverbrecher. Er wurde durch einen Glasgang geführt, der in den Verwaltungstrakt mündete.
Kabal wurde auf eine Holzbank gesetzt und man ließ ihn warten. Er bekam weder zu Essen noch zu Trinken, geschweige denn das ihn jemand wahr nahm. Er versuchte zu schlafen, doch bald herrschte hier so viel Trubel dass er alle Versuche aufgab.
Es war wohl schon Nachmittag als sich jemand neben Kabal nieder ließ. „So, Verweser, willkommen auf Romulus.“
Kabal öffnete träge ein Auge und sagte zuerst nichts. Der Mann sah ihn fragend an. „Danke“, sagte Kabal dann knapp.
„Es ist ein komplizierter Fall, den man mir hier zugeschanzt hat. Die Republik gegen Sie. Das könnte haarig werden.“
„Wenn Sie glauben zu verlieren, dann gehen Sie einfach. Ich brauche keinen Verteidiger.“
„Ich bin auch nicht Ihr Verteidiger, die Götter mögen mich von dieser Verantwortung verschonen. Nein, Herr Verweser, ich bin aus einem anderen Grund hier. Ich will Ihnen unsere Hilfe anbieten.“
„Wer sind Sie?“
„Nur ein Mittelsmann. Aber ich spreche für eine der größten religiösen Vereinigungen des Planeten, wenn nicht des ganzen Reichs. Wir unterstützen, auf Wunsch, jeden der von der Religionsreform betroffen ist. Wir stellen Mitarbeiter, die die Recherche übernehmen und Ihre Ansprachen verfassen, wenn Sie nicht selbst auftreten wollen, einen Verteidiger und was Sie sonst noch brauchen. Sie haben ja gesehen was das für Zellen sind. Wir könnten für ein besseres Quartier sorgen“, erklärte der Mann. Kabal wurde dabei fast übel. Der Kerl schleimte am laufenden Band.
„Schön und gut. Was springt aber für Sie dabei raus?“
„Es ist eine Frage des Glaubens, Herr Kabal. Wenn Sie verurteilt werden, droht Ihnen wahrscheinlich der Tod. Mit unserer Hilfe kommen Sie vielleicht sogar ungeschoren davon. Es hängt von Ihnen ab.“
„Eine Frage des Glaubens. Das hat Claudius auch schon gesagt, als er mich bestohlen hat.“
„Claudius? Das ist der Kläger. Sie haben sich wohl mächtige Feinde gemacht“, überlegte der Mann, „wie auch immer. Ich gebe Ihnen eine Karte von uns. Wenn Sie unsere Hilfe annehmen wollen, melden Sie sich. Wir leiten dann alles in die Wege.“
Im selben Moment stand er schon auf und glättete seine Kleidung. „Wir sehen uns vielleicht wieder, Herr Verweser. Alles ist nur eine Frage des Glaubens. Guten Tag.“ Er warf Kabal eine Visitenkarte in den Schoß und verschwand mit großen Schritten. Kurz darauf kamen zwei Wachen und trieben Kabal zurück in die Zelle.
Gierig blickte ein Zellengenosse Kabal an, bis Kabal aufstand und sich vor ihm aufbaute. „Willst du was?“
„Ich kenne dich“, grinste der Romulaner, „trugst eine Garderüstung und so. Hochgestochener Pinkel warst du. Hast wohl jemandem ans Bein gepisst, hm?“
Kabal packte ihn am Kragen und riss ihn hoch. „Willst du mir damit was sagen?“
„Das war ein Fehler.“ Der Romulaner zeigte gelbe Zähne. Im nächsten Moment wurde Kabal am Kragen gepackt und auf seine Pritsche geschleudert. Starke Arme drückten ihn nach unten, ein anderer Mitgefangener warf sich auf seine Beine. Kabal fing einige unangenehme Hiebe in den Oberkörper ein bis er einen Arm frei bekam und den ersten Gegner zur Seite stieß. Dann befreite er seine Beine und trat dem Mann ins Gesicht. Grünes Blut spritzte ihm aus dem Mund als er einen Zahn ausspuckte und irre geifernd auf Kabal sprang. Endlich kamen die Wachen angerannt und waren eine Granate in die Zelle. Kabal riss noch rechtzeitig die Arme hoch und wandte das Gesicht ab. So war die Blendwirkung nicht so schlimm wie für die anderen.
„Einzelhaft!“ befahl der Wachkommandant und deutete auf Kabal. Zwei Wachen kamen herein und wollten den augenscheinlich geblendeten Kabal mitnehmen. Doch er stieß den ersten zur Seite und entwand ihm die Schusswaffe. Damit bedrohte er den zweiten. „Ich will ein Gespräch mit diesem Mann.“ Er wedelte mit der Visitenkarte, die er bekommen hatte. Der Wachkommandant war durch den Lärm zurückgekehrt und nahm die Visitenkarte entgegen.
„Trotzdem Einzelhaft. Zum Schutz.“
„Ich brauche keinen Schutz!“
„Nicht für Sie, Kabal. Für die.“
Die Zelle war noch enger, stockdunkel und feucht. Stetig tropfte Wasser von der Decke, darum roch es recht muffig in dem Loch. Die einzige Lichtquelle war der Türrand, doch anscheinend war Kabal der einzige in Einzelhaft. Denn kaum waren die Schritte der Wachen verklungen als auch dieses Licht ausgegangen war.
Da Kabal sich kaum bewegen konnte, versuchte er im Stehen zu schlafen. Nur das tropfende Wasser verhinderte es. Bald fühlte er sich als wäre er durch einen Wolkenbruch gelaufen und begann zu frieren.
Dann hatte er auch noch plötzlich das Gefühl als würde eine Ratte zwischen seinen Beinen herumstreichen. Er versuchte auf sie zu treten, gab die Versuche aber schnell auf. Er konnte es kaum erwarten wieder aus dem Loch raus zu kommen.
Sein Wunsch wurde bald erfüllt. In der totalen Dunkelheit hatte Kabal zwar sein Zeitgefühl verloren, doch beim Gang nach draußen stellte er fest dass es noch immer Tag war. Oder doch schon wieder? Die beiden Wachen sprachen kein Wort und brachten ihn nicht ins Besprechungszimmer, sondern zum Ausgang. Dort nahmen sie ihm die Fesseln ab und führten ihn durch die Tür. Dort wartete der Mann, der Kabal die Karte gegeben hatte, der Kommandant der Wacheinheit vom Gefängnis und eine junge Frau in einer Robe der Tempel.
Alle redeten wild durcheinander.
„…die Bedingung war klar. Unsere Klienten werden in unserem Tempel untergebracht.“
„Ich sage das jetzt zum letzten Mal: der Gefangene ist anders eingestuft. Er muss unter unserer Aufsicht verbleiben. Die Order kommt von ganz oben. Ich kann nichts machen“, versuchte der Kommandant zu vermitteln.
„Das ist inakzeptabel. Ich kenne die Akte über den Gefangenen. Eine besondere Einstufung war nicht ersichtlich.“
„Sie wurde erst vor wenigen Stunden eingefügt. Er ist gefährlich.“
„Nur weil er drei Agenten des Staats verprügelt hat, die ihn hätten töten sollen? Dann ist so gut wie jeder unserer Wächter eine Gefahr und müsste eingesperrt werden.“
„Serpentes, bitte“, brachte sich die Frau schließlich ein, „wir sollten nicht noch mehr Leute verärgern.“
„Halt dich da raus, Aja!“ fuhr er sie an, und dann zum Kommandanten gewandt. „Er steht ja schon quasi vor der Tür. Entweder er kommt jetzt mit, oder ich hole mir bei nächster Gelegenheit Ihren Kopf. Wie ist es denn so, als Kommandant der Wache, mit einem geheimen Haustempel.“
Plötzlich wurde der Offizier einsichtig. „Aber ich werde die Garde anweisen müssen zu kontrollieren dass er unter Aufsicht steht.“
Serpentes nickte. „Aja wird sich mit dem Fall befassen. Sie ist eine ausgebildete Kämpferin, gelehrige Schülerin und ausgezeichnete Anwältin. Verweser Kabal wird in guten Händen sein.“
Skeptisch musterte der Kommandant die Frau. „Ich glaube Ihnen jetzt einfach einmal. Lasst ihn gehen!“ Die Wachen verschwanden sofort wieder nach drinnen. Langsam ging Kabal die Stufen hinunter und wurde dort sofort von Aja im Empfang genommen. „Sind Sie in einen Sturm geraten?“
„Sozusagen. Gab es Probleme?“
Serpentes schüttelte den Kopf, der Kommandant war gerade auch verschwunden nachdem ein Geldbeutel den Besitzer gewechselt hatte. „Kein Problem. Nur jemand, wahrscheinlich Claudius, hat Angst sein Gesicht zu verlieren. So viel Aufwand für einen so unwichtigen Mann wie sie…“
„Danke für Ihr Vertrauen. Ich glaube ich will doch wieder in dieses nasse Loch.“
„Nichts für ungut, Kabal. Kommen Sie, wir sollten zum Tempel zurückkehren. Unterwegs mache ich sie mit meiner Mitarbeiterin vertraut. Sie wird, da ich verhindert bin, Ihren Fall übernehmen.“
„Ich kann es kaum erwarten“, antwortete Kabal knapp und gelangweilt. Serpentes ignorierte es aber und begann mit einschläfernder Stimme zu sprechen. Kabal konzentrierte sich darauf nicht einzuschlafen und über die eigenen Füße zu stolpern.
„Aja kam als Waisenkind in den Tempel. Die wurde ihr ganzes Leben im Sinne unser religiösen Gesinnung erzogen. Deshalb entschied sie sich auch für den Weg der Vestalinnen. Doch als der Senat das Vestalin-Gesetz erlassen hat und ihre Gesinnung zur Sklaverei an romulanischen Bürgern erklärte, wandte sie sich den Gesetzen zu. Insgeheim suchen sie und ihre Schwestern ein Schlupfloch um zu ihrer Aufgabe zurückzukehren“, zwinkerte Serpentes.
„Es ist nicht so schlimm wie der Priester es verkaufen will“, sagte Aja. Das erste Mal flüsterte sie nicht. Ihre Stimme war so wunderbar dass alle Sinne von Kabal erwachten.
„Auf jeden Fall arbeitet sie als eine der sechs Priesterinnen für unsere Sache. Der Staat hat nicht das Recht den Glauben zu besteuern. Und Sie, Kabal, werden unser Flaggschiff in dem Kampf sein.“
Sie erreichten den Tempel und passierten die Tempelwächter. Diese traditionell gekleideten und bewaffneten Männer täuschten über ihr äußeres jedoch hinweg. Sie waren alle bis zur Perfektion ausgebildete Tötungsmaschinen, die keine Waffen brauchen würden um einen Feind zu töten. Wenn sie nah genug an ihn herankamen natürlich.
„Für die Dauer des Prozesses sind sie in einer Studierkammer untergebracht, die an die Zelle von Aja angrenzt. So haben sie unbegrenzten Zugang zueinander. Da ein paar staatliche Feiertage wie der Heldengedenktag anstehen, habt ihr beiden genug Zeit euch auf den Prozess vorzubereiten. Aja hat auch Zugang zu den Bibliotheken. Aja, übernehmen Sie von hier?“ Die Studentin nickte stumm. „Wir sehen uns dann in fünf Tagen.“
Aja führte Kabal in die Kammer. Allerdings war die Kammer für Kabals Maßstäbe eine bessere Zelle. Es gab nur einen wackligen Tisch und ein Feldbett in der Ecke, das wohl für ihn aufgestellt worden war. Die Kammer von Aja war noch kleiner. Darin stand nur ein kleines Bett, an dessen Fußende ein Lesepult stand. Ihre Kleidung und persönlichen Besitztümer waren unter dem Pult eingeräumt.
Aja zeigte Kabal den Weg zu einer kleinen Waschkammer. Auch sie war nicht besonders groß. Aja schien die ungläubigen Blicke von Kabal gesehen zu haben, denn sie entschuldigte sich: „Die meisten hier leben in totaler Askese, nur dem Gebet ergeben.“
„Ein Glück das mich das Militär einziehen konnte bevor es die Kirche tun konnte“, antwortete Kabal. Aja antwortete nicht und sie gingen zu ihrer Kammer zurück.
„Ich will noch ein paar Notizen aus der Bibliothek zusammentragen. Da können Sie mir nicht helfen.“
„Ich wollte mich sowieso etwas frisch machen. Und bitte, darf ich Aja sagen?“
„Natürlich, Kabal.“
Die nächsten Tage waren zum Gähnen langweilig. Aja arbeitete fanatisch an dem Fall, während Kabal nur ihren Ausführungen lauschen konnte und sich dabei langweilen. Es war am letzten Tag, dem Tag der Flottenhelden, als Kabal früher aufwachte als sonst. Die Tür zu Ajas Kammer war offen, doch sie war nicht da.
Kabal entkleidete sich und wickelte ein Handtuch um seine Hüften. Dann ging er zum Waschraum. Auf dem Gang saß ein Tempelwächter auf seinem Schemel und schnarchte leise. Im Waschraum lief das Wasser, doch um die Zeit war auch die Wachablöse. Nichtsahnend öffnete Kabal die Tür und machte einen Schritt in den Dampf.
Es ertönte ein hoher Schrei. Aja stand splitternackt vor ihm und versuchte ihre Blöße zu verdecken. Durch den Schrei war Kabal auch einen Schritt zurückgewichen und gegen die Tür gestoßen. Sein Handtuch war runtergefallen.
„Es tut mir furchtbar leid. Ich dachte… ich wollte.“
„Kabal. Du, sag einfach nichts.“ Aja lächelte leicht rot im Gesicht und kam näher. Dann schlang sie ihre Arme um ihn und küsste ihn vorsichtig.
„Aja. Nicht. Du darfst das nicht.“
„Es muss niemand erfahren, Kabal. Und ich habe so lange auf solch einen Moment gewartet.“
„Aber dein Eid. Deine Ehre.“
„Alles Humbug. Nicht einmal die Hohepriester halten sich daran. Warum dann ich, ein junges Mädchen? Ich habe besseres verdient. Jemanden wie dich.“ Sie drückte Kabal noch enger an sich und versuchte ihn erneut zu küssen. Doch Kabal stieß sie von sich weg. „Nein, Aja. Ich stecke schon zu tief in der Patsche. Du bist eine wunderschöne Frau, doch ich will nicht meine einzigen Fürsprecher verlieren wegen eines kleinen Liebesabenteuers. Außerdem…“
„Ja?“
„Gehört mein Herz einer anderen.“
Aja ließ den Kopf sinken und dann von Kabal ab. Er glaubte eine Träne über ihre Wange rollen zu sehen. Ohne ein weiteres Wort ging er nach draußen und wartete bis Aja herauskam.
Sie trafen sich vor dem Gericht mit Serpentes. Seit dem Zwischenfall im Bad hatte Kabal kein Wort mit Aja gesprochen. Denn als er zurückgekehrte, war sie sofort in die Bibliothek verschwunden und erst spät nachts zurückgekehrt als Kabal schon zu Bett gegangen war.
„Seid ihr gut vorbereitet?“
„So gut es ging, denke ich“, antwortete Kabal vorsichtig.
„Ich vertraue auf Ajas Fähigkeiten. Sie sind in guten Händen. Hoffentlich können wir heute diesen Halsabschneidern einen kleinen Sieg abgewinnen“, grinste Serpentes und betrat als erster das Gebäude.
Claudius und sein Assistent waren bereits an ihren Platz und Claudius lächelte Kabal böse an. Kurz darauf betraten die drei Vorsitzenden das Gebäude und nahmen ihre Plätze ein.
„Erheben Sie sich im Namen des Imperators. Möge bald ein Neuer uns in ein goldenes Zeitalter führen.“ Alle im Saal erhoben sich und richteten ihren Blick auf das imperiale Wappen auf der Wand.
„Wir verhandeln heute das Imperium gegen Verweser Kabal von New Sparta. Die Anklage lautet auf Widerstand gegen imperiales Gesetz, Unterstützung einer Widerstandsbewegung gegen die Regierung ein tätlicher Angriff auf einen imperialen Beamten. Angeklagter, worauf plädieren Sie?“
Kabal wechselte einen Blick mit Aja, sie nickte und nahm dann das Wort: „Schuldig, schuldig und schuldig.“
Alle im Saal erstarrten. Serpentes war sogar aufgesprungen und sah seine Schülerin entsetzt an. Aja setzte sich stumm wieder. Die Vorsitzenden schienen jedoch zufrieden. „Dann sind wir bis zum Mittag vielleicht fertig. Wenn Herr Claudius nun seine Beweise vorbringen würde.“
Claudius schien zufrieden zu sein und stand überspielt langsam auf. „Werte Vorsitzende. Die Beweislast ist erdrückend. Beginnen wir mit Anklagepunkt 1, Widerstand gegen imperiales Gesetz. Wir haben hier eine Reihe von Bildern der Kolonie, die bei meinem Besuch geschossen wurde. Sie zeigen in welch erbärmlichem Zustand die Gebäude und Anlagen sind. Außerdem erbringt die Kolonie ihre Erträge meist nicht.“ Die Bilder waren wirklich bei Claudius’ Besuch geschossen worden. Denn sie zeigten nur die Zerstörungen, die der Bürgerkrieg angerichtet hatte. Verbrannte Felder, zerstörte Gebäude und heruntergekommen wirkende Bürger, die gerade ihr Hab und Gut aus den Trümmern bargen.
Die Ablenkung des Publikums und der Vorsitzenden nutzte Serpentes um mit Kabal kurz zu sprechen. „Was soll das? Sie laufen ins eigene Messer!“
„Ich wusste nichts davon“, zischte Kabal, „wir hatten das anders besprochen. Sprechen Sie mit Aja! Sie wollte mir gestern näher kommen und ich habe sie abgewiesen. Vielleicht ist das der Grund für ihr Verhalten.“
„Aja? Das glaub ich nicht!“ antwortete Serpentes und ergriff Ajas Schulter. Doch sie streifte seine Hand ab und rückte aus seiner Reichweite. Gelangweilt blätterte sie in ihren Unterlagen.
„Haben Sie noch etwas zu diesen Bildern zu sagen, Angeklagter?“ richteten die Vorsitzenden das Wort an Kabal und Aja. Aja wollte schon antworten, doch Kabal fiel ihr ins Wort. „Diese Aufnahmen sind manipuliert. Sie zeigen New Sparta nur nach den Kämpfen. Die Zustände waren dort wirklich schlecht, da es zu schweren Kämpfen in der Stadt gekommen war.“
„Können Sie das beweisen?“
„Ich glaube nicht dass einer der Beteiligten heute anwesend ist“, musste Kabal zugeben. Der Vorsitzende sah Claudius an, doch er winkte ab. „Der Punkt ist wohl erledigt. Kommen wir zum nächsten?“
„Wir bitten darum, Herr Claudius.“
„Der zweite Anklagepunkt lautet auf Unterstützung einer Widerstandsgruppe gegen das Imperium. Für diesen Punkt möchte ich gerne den Angeklagten in den Zeugenstand rufen.“
Kabal wurde nach vorne geführt. Claudius stolzierte wie ein Hahn vor ihm auf und ab. „Laut Gesetz hat der Verweser einer Kolonie eine Mittlerfunktion. Er hat nur Kontakt zu der Regierung hier auf Romulus, dem Militärkommandanten der Kolonie und seinen Mitarbeitern, die die Gesetze unter das Volk bringen. Oder, Kabal?“
„So lautet das Gesetz“, musste Kabal zähneknirschend zugeben.
„Und wie war es in New Sparta?“
„Nachdem der Verweser hingerichtet worden war, wurde ich, obwohl Militärkommandant, als Verweser eingesetzt. Die meisten der Mitarbeiter des Verwesers waren jedoch ebenfalls in den Gefechten getötet oder hingerichtet worden. Deshalb, da meine Doppelfunktion nur begrenzt hätte sein sollen, ernannte ich einige Leute vorübergehend zu diesen Beamten.“
„Kurz gesagt, sie richteten eine Art Ältestenrat ein?“
„Nein.“
„Aber die Mitglieder ihres Verwaltungskomitees, wie sie es nannten, waren die Großgrundbesitzer und Händler. Alles Führungspersonen, die eigentlich durch die Gesetze in ihrem Einfluss beschränkt sein sollten. Im Moment können sie aber tun und lassen was sie wollen.“
„Sie würden das niemals tun!“ stieß Kabal heraus. Doch Claudius hatte wohl genau das erwartet, denn er lächelte noch böser als zuvor. „Keine weiteren Fragen. Ich glaube auch dieser Punkt ist abgehakt.“
„Zehn Minuten Pause!“
Serpentes verschwand sofort mit Aja aus dem Gerichtssaal, doch ihr Streitgespräch begann bereits bevor sie den Raum verlassen hatten. Kabal blieb allein an seinem Platz zurück und starrte an die Decke. Bis jetzt sah es schlecht aus.
„Läuft nicht ganz wie erwartet, hm?“
Eine bekannte Stimme. Doch Kabal lief es eiskalt den Rücken runter. Trotzdem drehte er sich um und blickte Jola an. „Willst du den Dolch in meiner Wunde noch herumreißen?“
„Eigentlich wollte ich dich aufmuntern. Aber ich lass es wohl besser.“
„Was machst du hier?“
„Nun ja. Mein Verlobter ist dein Ankläger, und ich werde wohl gleich aussagen was aus New Sparta geschehen ist. Es ist meine Pflicht als romulanische Bürgerin.“
„Dann bleib aber auch bei der Wahrheit.“
„Bittest du mich darum zu lügen?“ fragte Jola skeptisch.
„Nein, darum die Wahrheit zu sagen. Ich habe nichts unrechtes getan!“
„Die anderen Anklagepunkte sprechen aber eine andere Sprache, mein Lieber. Und ich werde tun was ich für richtig halte. Genauso wie du es vor gar nicht allzu langer Zeit getan hast als ich an deiner Stelle war.“
Kabal legte den Kopf auf den Tisch. „Ich bin verdammt.“
„Die Verhandlung wird fortgesetzt. Wenn der Angeklagte seinen Platz für das weitere Verhör einnehmen würde.“
„Einen Moment, Herr Vorsitzender. Ich will zuerst eine andere Person in den Zeugenstand rufen. Subcommander Jola!“
„Subcommander Jola, sind Sie dem Angeklagten schon einmal begegnet?“
„Ja, allerdings.“
Kabal biss sich auf die Zunge. Das fing ja gut an.
„Berichten Sie von Ihren Begegnungen, Subcommander.“
„Zum ersten Mal sind wir uns in einem Tempel begegnet. Damals war Verweser Kabal noch ein Soldat der damaligen Prätorianergarde. Doch er erwähnte dabei dass er nicht aus tiefem Glauben im Tempel sei, sondern um die Zeit herum zu bringen.“
Serpentes ergriff Kabals Schulter. „Ist das wahr?“
„Das ist total aus dem Zusammenhang gerissen. Ich erkläre es später“, antwortete Kabal leise.
„Und weiter?“ setzte Claudius das Verhör fort.
„Später traf ich ihn auf Remus. Kabal war einer der wenigen Romulaner, die beim Aufstand verschont wurden. Er war der Fürsprecher der remanischen Opposition.“
„Wieder ein Beweis dafür dass der Angeklagte unsere Regierung bei jeder Gelegenheit sabotiert und Widerstand unterstützt hat. Sonst noch etwas, Subcommander?“
„Ich war bei der Missionsflotte, die New Sparta nach dem Bürgerkrieg aufsuchte. Die Anhänger des Imperators führten unsere Truppen in den blutigen Bodenkampf. Ich war dabei als er sich mit der rebellierenden Verwaltung stellte. Er verhielt sich damals wie ein guter romulanischer Soldat. Allerdings…“
„Ja?“
Jola schwieg. „Nichts weiter.“ Kabal sah wie Claudius Kiefer mahlte. Anscheinend wich Jola von seinem Plan ab. Doch er machte sofort weiter um keinen Verdacht zu erregen.
„Dann kommen wir zu der Tat, weswegen wir hier sind. Entspricht es nicht der Tatsache, dass der Angeklagte mich, einen Beamten der Regierung angriffen und dann aus seinem Haus geworfen hat?“
„Einspruch. Der Kläger ist gleichbedeutend mit dem Opfer. Es ist keine Objektivität in diesem Fall gewährleistet!“ Zum ersten Mal im Prozess riss Aja das Wort an sich. Doch der Vorsitzende schüttelte den Kopf. „Wir können es noch bis zum Mittag schaffen. Verzögern Sie die Angelegenheit nicht unnötig. Subcommander Jola, beantworten Sie die Frage!“
„Vorsitzender. Ich muss auf mein Gewissen hören. Deshalb werde ich die Angelegenheit so schildern, wie sie sich zugetragen hat. Und nicht so wie Claudius es verlangt hat um einen unschuldigen Mann und Konkurrenten aus dem Weg zu räumen. Claudius wollte nämlich seinen Einfluss auf New Sparta stärken und provozierte den Angeklagten mehrfach aufs Äußerste. Der angebliche tätliche Angriff auf ihn erfolgte rein verbal und Claudius verließ daraufhin aus eigenem Antrieb das Haus. Allerdings hatte er danach einen ziemlich dicken Geldbeutel bei sich. Die romulanischen Dukaten waren hauptsächlich auf New Sparta geprägt worden, was darauf hindeutet dass er das Geld auf New Sparta an sich genommen hat. Doch er war weder Steuereintreiber noch sonst berechtigt dies zu tun.“
„Lüge!“ fuhr Claudius hoch.
„Ich habe einen Teil des Geldes, das dem Angeklagten entwendet wurde, mitgebracht. Es sind bis auf zwei Münzen von Romulus nur Dukaten von New Sparta.“
„Angeklagter, ist Ihnen ein höherer Geldbetrag zu dem Zeitpunkt von Claudius Anwesenheit auf New Sparta abhanden gekommen.“
„Ja, meinem Mandanten wurde ein größerer Geldbetrag als Tempelsteuer entwendet“, antwortete Aja. „Und wie die Zeugin aussagte kam es nie zu einem Angriff von Kabal auf Claudius. Des Weiteren wurden beim Transfer meines Mandanten mehrere Versuche unternommen ihn zu töten, beziehungsweise wurde ein Entlastungszeuge aus dem Weg geschafft.“
Claudius wurde immer nervöser. Er nestelte an einem Transportkoffer auf seinem Tisch herum. Bis jetzt hatte er nur Dokumente und Beweise herausgeholt, doch Kabal sah wie er nun beide Hände darin hatte als würde er etwas zusammenbauen.
Aja stand inzwischen auf und ging zum Jola. „Außerdem hat Claudius einen Versuch unternommen mich zu bestechen damit ich meinen Mandanten verrate und den Prozess verliere. Ein Beweis wird in Kürze eintreffen. In meiner persönlichen Habe befindet sich ein schriftlicher Vertrag von Claudius, der mir garantiert aus der Vormundschaft des Tempels befreit zu werden, und unsere Heiratsurkunde.“
„Claudius! Ist das wahr?“ fauchte Jola.
„Alles Lüge. Eine Intrige gegen mich“, jammerte Claudius und nestelte weiter in seinem Koffer herum. Doch kurz darauf öffnete sich die Tür zum Saal und ein Tempelwächter übergab Aja mehrere Dokumente, die interessiert von den drei Vorsitzenden gelesen wurden.
„Ich denke in Anbetracht der neuen Beweislage müssen wir die ersten beiden Anklagepunkte noch einmal aufrollen“, stellten sie dann fest.
„Werte Vorsitzende. Ich habe Beweisbilder, die zeigen das die Kolonie erst durch die Kämpfe in so erbärmlichen Zustand geraten, jedoch im Wiederaufbau begriffen sind“, sagte Kabal. „Im zweiten Anklagepunkt bin ich aber wohl doch schuldig. Doch als Militärkommandant wäre ich nie befugt gewesen auch die Funktion des Verwesers einzunehmen. Die Gründung des Ältestenrats war Mittel zum Zweck um den Stillstand der Wirtschaft zu verhindern.“
„Hinweis zu Kenntnis genommen. Wir treffen folgende Entscheidung. Von Anklagepunkt 1 und 3 werden Sie aufgrund der Beweislage freigesprochen, beziehungsweise werden die Angelegenheiten neu beurteilt wenn alle Beweise eingesehen werden konnten. Für Anklagepunkt 2 erhalten sie 20 Tage Arrest, jedoch wird die Zeit, die sie bereits abgesessen haben, entsprechend der Haftverhältnisse angerechnet.“
Kabal nickte zufrieden. Etwas Besseres konnte er nicht erwarten. Auch Serpentes schien zufrieden zu sein und lächelte. „Nicht unbedingt was wir erwartet haben, aber immerhin ein Sieg.“
„Ankläger Claudius wird vorerst festgenommen. Seine Anklagepunkte müssen noch vollständig eruiert werden.“
„Jola, Aja, ihr beiden Verräter! Dafür werdet ihr bezahlen!“ schrie Claudius auf und stieß den Tisch um. Der Koffer fiel scheppernd auf den Boden und er hielt einen Disruptor in der Hand. Die Saalwachen zogen sofort ihre Schwerter und eilten auf ihn zu. Doch die meisten Anwesenden wollten nun den Raum verlassen und versperrten ihnen so den Weg. Sie mussten sich langsam durch die panischen Leute kämpfen.
Claudius schrie wie ein verwundetes Tier und feuerte einen Schuss in die Richtung von Jola ab. Der Schuss sprengte nur ein großes Loch in die Wand. Der zweite Schuss traf jedoch Aja und sie leuchtete wie eine kleine Sonne auf, bevor sie sich in Luft auflöste. Kabal war inzwischen aufgesprungen und hatte sich auf Claudius geworfen. Die beiden rangen um die Waffe, mehrere Schüsse lösten sich.
Sie rollten kämpfend über den Boden. Kabal klammerte sich wie verbissen an Claudius, der ihm mehrfach das Knie in den Bauch stieß. Plötzlich war Jola über ihnen und trat Claudius gegen den Kopf. Kabal löste daraufhin leicht seinen Klammergriff. Stöhnend kam er auf dem Rücken zu liegen, bis Jola ihm den Arm entgegenstreckte und auf die Beine half.
„Wie konnte er nur eine Waffe hier hereinschmuggeln?“ fragte Jola.
„Er hatte sie zerlegt und sie gerade erst zusammengebaut“, antwortete Kabal. Er wollte sich setzen, doch dann sah er eine Bewegung im Augenwinkel. Schnell stellte er sich vor Jola. Ein Lichtblitz blendete ihn, dann ein dumpfer Schmerz in der Brust.
Kabal ging in die Knie, Jola schrie. Endlich kam einer der Wächter heran und schlug mit der Klinge auf Claudius ein. Doch Kabal sah nur auf seine Brust und den grünen Fleck, der immer größer wurde.
„Jola…“
„Sag nichts! Du hast mich gerettet“, sagte Jola und hielt ihn fest. „Wir brauchen sofort einen Heiler!“
„Ich glaube die zwanzig Tage Arrest werde ich wohl nicht so bald absitzen können.“





