Interview mit Armin Shimerman
Armin Shimerman wurde am 5. November 1949 in New Jersey geboren. Mit 16 trat er einer Theatergruppe bei und entschloss daraus einen Beruf zu machen, nach seinem Universitätsabschluss bekam er eine Lehrstelle im Old Globe Theater in San Diego.
Bekannt wurde er durch Star Trek. Schon in „Star Trek: Das nächste Jahrhundert“ spielte er einen Ferengie, bevor er die Rolle des Quark in „Star Trek: Deep Space Nine“ bekam. Außerdem spielte Shimerman in den Serien „Buffy“ und „Stargate“ kleinere Nebenrollen.
Armin Shimerman hat mehrere Bücher geschrieben, u.a. Die „Merchant Prince“ Serie und „The Legends of the Ferengi“.
Das Interview führten wir im Vorfeld von »An Evening with Armin Shimerman« zusammen mit eguide-online.de.
F: Hallo Armin, zunächst vielen Dank dafür, dass du dir die Zeit nimmst unsere Fragen zu deiner Arbeit an „Star Trek - Deep Space Nine“, zu deiner Karriere und zu deinem Leben zu beantworten. Unsere Erste Frage: Du warst ja nun schon öfters in Deutschland, zum Beispiel vor zwei Jahren auf der FedCon. Was gefällt dir hier? Ich weiß, dass Robert Picardo (Doktor in „Voyager“) unseren Senf mag. Was verbindest du mit Deutschland?
Armin Shimerman: Die Landschaft. All die Bäume und Berge, wirklich eine sehr sehr schöne Landschaft. Ich war hier ja nun schon mehrfach. Ich glaube vier Mal. Und mein Deutsch ist kein Stück besser geworden seit dem ersten Mal [lacht]. Aber ich mag die Landschaft sehr. Und das Brot, das ist wirklich sehr gut hier.
F: Du warst der erste Ferengi in „Star Trek“, damals in „Das nächste Jahrhundert“. In der jüngsten Serie, „Enterprise“ stieß die Menschheit nun das erste Mal überhaupt auf die Ferengi. Hättest du nicht auch gerne einen von diesen Ferengi gespielt?
Armin Shimerman: Nein. Johnnie [Ethan Phillips] und Jeffrey Combs spielten diese beiden Ferengi. Und ich freue mich sehr für sie. Ich war der erste Ferengi in „Das nächste Jahrhundert“, und sie nun eben in „Enterprise“. Nein, ich habe keinen Besitzanspruch auf die Ferengi. Jeder, der klein genug ist, kann einen Ferengi spielen!
F: Wenn du dich an deine ersten Tage bei „Deep Space Nine“ zurückerinnerst, was machte die Serie damals attraktiv für dich und bist du heute stolz auf deine Darstellung des Ferengi Quark?
Armin Shimerman: Nana Visitor [lacht]. Was machte es attraktiv? Ich wollte die Rolle des Quark wirklich unbedingt haben. Ich war schon Fan der Original-Star-Trek-Serie. Und da ich ja schon Ferengi in „Das nächste Jahrhundert“ gespielt habe, dachte ich, dass es doch gut passen würde, wenn ich jetzt den Ferengi in „Deep Space Nine“ spielen dürfte - also habe ich meinen Agent gebeten, mich ins Casting zu bringen. Und ich glaube ich war der erste Schauspieler, der für die Rolle vorsprach. Danach habe ich für ca. zwei Monate nichts mehr von Paramount gehört, bis ich dann irgendwann doch in das Callback kam, wo ich dann auch Max Grodénchik getroffen habe, der später Rom gespielt hat. Wir sprachen beide für die Rolle von Quark vor, und wir wollten sie beide wirklich, und ich hatte das Glück sie zu bekommen.
Also, ich wollte Teil des Star-Trek-Franchise werden, weil ich so ein großer Fan war. Und ich bin sehr glücklich dass ich dabei sein konnte!
Und woran erinnere ich mich noch? An viel. Wir versuchten immer, die beste Geschichte die wir konnten zu erzählen. Es gab verschiedene Geschichten in der Serie. Irgendwann wurde es dann, im Gegensatz zu vielen anderen Serien, so, dass jeder von uns Schauspielern quasi seine eigene Welt hatte, in der er mit einem Teil der anderen zusammenspielte. Dabei hatte ich das große Glück, mit großartigen Schauspielern zusammen arbeiten zu dürfen. Und zusammen haben wir tolle Geschichten erzählt, hoffe ich.
F: Lass uns über eines deiner Bücher reden: „The Merchant Prince“. Ich habe es noch nicht fertig gelesen, aber ich lese zwischen den Zeilen, dass du in gewisser Weise ein Anti-Kapitalist bist. Ist das wahr?
Armin Shimerman: Ein Anti-Kapitalist? Ich bin jedenfalls nicht so ein Kapitalist wie Quark. Ich bin definitiv sehr viel liberaler als Quark. Und ich interessiere mich sehr für Geschichte, daher ist der Hauptcharakter in diesem Buch - wie in allen meinen Büchern - ein Mann aus der Zeit von Shakespeare. Mich interessiert diese Zeit sehr, und daher wollte ich darüber schreiben. Und der Produzent des Buches kam zu mir mit Michael Scott, mit dem zusammen ich dann das Buch geschrieben habe. Aber die Nachfolger... jedes Buch wurde immer besser, da ich nach und nach ein besserer Autor wurde.
F: War es schwierig, einen solchen Kapitalisten wie Quark zu spielen?
Armin Shimerman: Oh ja, es war schwierig. Es ist nicht meine Natur, so zu sein. Aber ich bin ein Schauspieler und ich musste mich eben in die Rolle hineinversetzen.
F: War es anstrengend, jeden Tag in der Maske zu sitzen? Wie lange dauerte es, bis aus Armin Shimerman Quark entstanden ist? Und hat die Maske beim Schauspielen eher geholfen oder eher gestört?
Armin Shimerman: [schlägt mit dem Kopf auf den Tisch] Lass mich hinten anfangen. Die Maske hat beim Schauspielen geholfen, denn ich konnte mit ihr Dinge machen, die ich so nie im echten Leben tun würde. Die Maske hat sehr viel geholfen.
Die Zwei-Stunden-Prozedur... es dauerte zwei Stunden, bis die Maske für die Serie fertig war. Das eine Mal, als ich sie für den Film brauchte, dauerte es fünf Stunden.
Die ersten eineinhalb Jahre, ungefähr die ersten dreißig Folgen, in denen ich mitspielte - sehr schwierig! Es war sehr schwierig, da zu sitzen und sich nicht zu bewegen. Meine Maskenbildnerin, Karen Westerfield, war eine Perfektionistin - ich bin sehr froh darüber, aber es musste jedes Mal perfekt sein. Und damit es perfekt wurde, musste ich sehr still sitzen. Ich durfte mich überhaupt nicht bewegen. Ich war wie ihre Leinwand, auf die sie malte, und die Leinwand dufte sich nicht bewegen. Es war sehr hart. Nicht nur, weil es sehr lange dauerte, sondern auch weil man an den Schultern und im Nacken sehr verspannt wird. Nach eineinhalb Jahren schließlich - beschloss ich, mich zu bewegen! [lacht] Es wurde dann leichter.
Aber tatsächlich war die Zwei-Stunden-Prozedur morgens ein Kinderspiel verglichen mit der Ein-Stunden-Prozedur am Abend, wenn die Maske wieder runter musste. Denn ich hatte 16 Stunden gearbeitet - so war mein normaler Arbeitstag - und ich wollte nach Hause. Alle anderen waren schon gegangen und jeder sagte „Gute Nacht!“ und ich saß immer noch auf meinem Stuhl. Ich wollte, dass es schneller runterging, aber es ging nicht. Es dauerte eine Stunde, wieder weil Karen eine Perfektionistin war. Wofür ich aber sehr dankbar bin. Es hätte schneller gehen können, aber dann wäre meine Haut mit ab gegangen. Und obwohl die Studiobosse alle sagten „Machen Sie es schneller runter! Machen Sie es schneller runter!“, sagte sie „Nein! Es dauert seine Zeit und ich stelle sicher, dass seine Haut gesund bleibt!“ Dafür bin ich Karen sehr dankbar. Ich denke damit habe ich die Fragen beantwortet.
F: Andy Robinson war vor ein paar Monaten hier und erzählte eine Geschichte, dass es ein Erdbeben gab, während er seine Maske auf hatte und er damit herumlaufen musste. Hast du eine ähnliche Anekdote?
Armin Shimerman: Soll ich die Geschichte von dem Erdbeben erzählen oder eine andere Geschichte?
F: Eine andere Geschichte.
Armin Shimerman: Okay [lacht]. Eine andere Geschichte... [überlegt].
[Zu seiner Frau:] Hast du irgendwelche Vorschläge?
Kitty Swink: Ja, erzähl wie du in der Maske nach Hause gefahren bist und gesehen wurdest.
Armin Shimerman: Aber das ist die Erdbeben-Geschichte.
Kitty Swink: Ihr kennt nur die Geschichte von Andy, oder? Wie er herumlief?
F: Ja.
Kitty Swink: Erzähl deine Geschichte.
Armin Shimerman: Ich mag Andys Geschichte lieber... ich war mit ihm zusammen im Wohnwagen, als das Erdbeben kam. Da der Wohnwagen Räder und Stoßdämpfer hatte, bewegte es sich zwar etwas, aber nicht sehr. Daher dachte ich nicht, dass es so ein großes Erdbeben sei. Ich hätte es merken sollen, denn als ich das erste Mal rausging - es war vier Uhr morgens - blickte ich nach oben, und ich konnte Sterne sehen. Normalerweise ist es viel zu hell in Los Angeles, normalerweise sieht man keine Sterne, aber ich konnte welche sehen.
Außerdem war es Andy und mir vertraglich verboten, das Studio mit Maske zu verlassen. Wir mussten sie immer abnehmen, bevor wir das Grundstück von Paramount verlassen konnten. Andy hatte mit seiner Frau Irene telefoniert, und sie hatte gesagt, dass das Erdbeben zwar groß sei, aber nicht sehr schlimm. Jedoch steht Andys Haus auf massivem Fels, daher hatte es sich nicht sehr bewegt.
Schließlich habe ich auch meine Frau angerufen, und sie erzählte, dass unser Haus stark betroffen war, es waren schon Wände eingestürzt. Es war also keine Zeit, die Maske abzunehmen. Ich sagte, dass ich gehe, und der assistierende Regisseur sagte: „Du kannst nicht mit der Maske gehen!“ Ich sagte: „Doch, das kann ich! Ich werde jetzt gehen, meine Frau und meine Hunde brauchen mich, und ich muss jetzt sofort gehen!“ Er hat es verstanden und ich durfte gehen.
Ich stieg also ins Auto und fuhr los. Zum Fahren brauche ich eine Brille. Ich kann sonst nichts sehen. Nun war mein Kopf aber sehr groß, also konnte ich sie nicht aufsetzen. Ich konnte es nur so machen [er hält die Brille vor seinen Kopf und schielt hindurch]. Und alle Lichter in Los Angeles waren aus, auch die Ampeln waren aus. Es galt also an allen Kreuzungen Rechts-vor-Links. Ich kam also an eine Kreuzung, und von rechts kam ein Typ in einem Truck. Es war vier Uhr morgens, und es gab gerade ein starkes Erdbeben. Und er war in seinem Truck, und seine Lichter fielen auf mein Gesicht - er sah mich. Ich hatte den großen Kopf, mit den Ohren und allem und hielt die Brille hier, und, ich kann das im Radio schlecht zeigen, aber er sah mich an mit einer Mischung aus Schreck und Angst. [versucht, sein Gesicht nachzumachen und lacht dann]
Jedenfalls hatte er Vorfahrt, aber er nahm sie nicht wahr, er winkte mich nur vorbei, da er noch nie zuvor so etwas gesehen hatte. Und ich dachte später, dass er vielleicht zu einer Zeitung ging und gesagt hat, das war kein Erdbeben, das war eine Invasion von Außerirdischen.
Aber es endete gut und ich kam nach Hause. Kitty, meine Frau, stand etwas unter Schock wegen dem Erdbeben, und sie hatte mich zwar schon oft mit der Maske gesehen, aber nie zuhause. Sie lachte hysterisch.
Kitty Swink: Ich war gerade am Telefon, als Armin nach Hause kam, und ich sagte: „Ich muss auflegen, Armin ist da, und er hat seinen Kopf auf!“
Armin Shimerman: Auch die Hunde waren irritiert. Der Geruch war richtig, aber das Aussehen falsch. Sie waren irritiert. Auch die Nachbarn, denn ich ging ein paar Mal ums Haus um den Schaden zu begutachten, wie auch die Nachbarn es taten, und sie sahen mich mit der Maske. Ich denke sie wussten irgendwie, wer ich bin und was ich arbeitete, daher war es in Ordnung. Und schließlich kam meine Maskenbildnerin, Karen Westerfield, die ganz in der Nähe wohnte, vorbei und nahm mir die Maske ab.
F: Du hast auch in einigen Folgen von Joss Whedons Serie „Buffy - im Bann der Dämonen“ mitgespielt als Rektor Snyder...
Armin Shimerman: Es war Joss‘ Serie? Ich dachte es sei meine! [lacht]
F: Die SciFi-Serie „Firefly“ ist ja auch von Joss Whedon - daher interessiert uns, was für ein Regisseur/Produzent/Autor er ist, und wie es war, mit ihm zusammenzuarbeiten.
Armin Shimerman: Er ist großartig auf seinem Gebiet. Als Autor ist er ein Genie. Seine Geschichten sind wie Gedichte. Es ist eine unglaublich interessante Sprache für einen Schauspieler. Und es dauerte ein Jahr, bis ich bemerkte, wie wunderschön es war. Nicht nur als Schauspieler, ich wurde auch ein großer Fan der Serie. Ich schaute es auch zuhause an. Seinen Dialogen zuzuhören, war wie Musik hören. Es war wirklich sehr schön. Also ich denke vor allem als Autor ist er ein Genie.
Als Regisseur war er Anfänger, wurde aber immer besser. Und er ist jetzt ein sehr guter Regisseur, aber es war ein Lernprozess für ihn. Ich denke er würde bestätigen, dass es zu Beginn fürchterlich für ihn war, aber allmählich wurde er sicherer.
Und als Produzent wiederum ist er ein Genie. Jeden Tag, wo ich an der Serie arbeitete - und ich glaube ich habe in 17 Folgen oder so mitgespielt. Ich weiß es nicht genau. [Es waren 19 Folgen.] - Jeden Tag, wo ich an der Serie arbeitete, war er am Set und redete mit den Schauspielern, der Crew und dem Regisseur. Und das sehr freundlich und unterstützend. Und das ist meiner Erfahrung nach wirklich sehr unüblich.
Ich habe in sehr vielen Fernsehserien mitgespielt, über hundert, und ich habe nie einen Produzent gesehen, der so viel am Set war. Und weil er dort war, konnte er immer gleich aufkommende Fragen beantworten - wie an eine Szene heranzugehen war, was eine Textzeile bedeutete oder was die Autoren beabsichtigt hatten, wenn sie etwas auf eine bestimmte Art geschrieben haben. Außerdem kümmerte er sich sehr um die vielen jungen Schauspieler bei „Buffy“, bis auf Anthony [Head] war ja alles junge Schauspieler. Er machte ihnen Mut, schaute dass sie sich wohlfühlten und kümmerte sich so gut er konnte um ihre Bedürfnisse.
Er ist ein überragender Produzent, und ich denke das nicht nur vom künstlerischen Standpunkt aus, sondern auch vom kommerziellen. Das ist wohl der Grund, warum FOX so begierig danach war, ihm auch „Firefly“ und „Angel“ anzuvertrauen. Er hat mit seinem Budget qualitativ so hochwertiges Fernsehen produziert, dass er mit immer neuen Serien honoriert wird. Und ich glaube, er hat auch wieder eine neue, nicht wahr?
F: Ja, „Dollhouse“!
Armin Shimerman: Genau!
F: In „Dollhouse“ arbeitet Joss Whedon ja mit einigen Schauspielern aus seinen früheren Serien zusammen, zum Beispiel Eliza Dushku. Bist du auch involviert?
Armin Shimerman: Nein. Niemand hat mich gefragt, aber es ist wohl auch noch zu früh dafür. Sicher, sie haben schon ein paar Folgen gedreht, aber ich hoffe, dass er mich noch darum bitten wird, etwas zu machen. Ich bin mir sicher, dass er das tun wird, aber es wird wohl noch etwas dauern. Produzenten mögen bestimmte Schauspieler, und wenn sie eine Möglichkeit sehen, sie zurückzubringen, dann werden sie das versuchen. So ging es mir sicherlich oft mit David Kelley, einem anderen Produzenten, für den ich schon in vielen Serien mitgespielt habe. Und ich hoffe, dass das mit Joss auch so wird.
F: Würdest du die Rolle dann annehmen?
Armin Shimerman: Nun, das kommt auf das Geld an [lacht]. Es kommt darauf an, was für eine Rolle es ist. Und ich denke, es würde auch darauf ankommen, ob ich eine Maske tragen müsste oder nicht. Wenn ich wieder eine prothetische Maske tragen müsste, würde ich vielleicht ablehnen. Aber ich denke nicht, dass er so etwas möchte, von da her sehe ich da kein Problem.
F: In letzter Zeit warst du viel damit beschäftigt, an einer Filmserie namens „Resist Evil“ zu arbeiten. Es ist eine Trilogie und du spielst eine der Hauptrollen. Kannst du uns etwas über die Geschichte und deine Rolle erzählen?
Armin Shimerman: Ja. Es geht um eine Gruppe von Teenagern, die alle Nachkommen von Göttern sind. Und jeder dieser Helden hat ein Talent, das auf seinen Vorfahren zurückgeht. Mein Charakter ist daran interessiert, diese alle zusammenzubringen und zu fördern, und sie auf eine bestimmte Weise für seinen eigenen Vorteil zu nutzen, aber nur um Teil der Gruppe zu sein. Er will nur dazugehören. So wie schon viele Star-Trek-Fans zu mir gesagt haben „Ich wäre so gerne in einer Folge dabei, nur um dabei zu sein“. Mein Charakter will nur wegen ihren Fähigkeiten bei diesen Leuten sein. So ist das.
F: Wir wissen von Andy Robinson, dass er Atheist ist. In deinem Buch lässt du die Roc [eine außerirdische Rasse in „The Merchant Prince“] folgendes sagen: „[...] so haben die Menschen alles, was sie noch nicht verstanden haben, mit Riten verhüllt und es Religion genannt.“ Bist du ein Atheist oder Agnostiker?
Armin Shimerman: Ich bin mehr Agnostiker als Atheist. Ich glaube, dass es etwas gibt, was wir alle anstreben, und dass das eine wesentliche Eigenschaft der Menschheit ist. Man muss mir noch zeigen, dass es einen Gott oder eine Göttin oder Götter gibt, und ich glaube nicht an organisierte Religion. Ich gehöre keiner Religion an. Wenn ich mir eine Religion aussuchen müsste, wäre es wohl die Religion des Theaters. Im Theater gibt es gewisse Riten und Gepflogenheiten, die in gewisser Weise eine Art Religion bilden, und zu diesen bekenne ich mich.
F: Ein weiterer neuer Film von dir ist der Horror-Thriller „Insanitarium“ mit Jesse Metcalfe, Peter Stormare und Kiele Sanchez. Du spielst einen Charakter namens Hawthorne. Kannst du uns etwas über diesen Film erzählen?
Armin Shimerman: Ja, es ist ein bisschen wie Anthony Hopkins Rolle in „Das Schweigen der Lämmer“. Er ist ein verachtenswerter Mensch, der dir im wahrsten Sinne des Wortes das Herz herausreißt. Und er ist in einer Anstalt wo er versucht, sich gegen die anderen Helden durchzusetzen, letztlich führt er eine Revolte gegen die Anstalt und gegen die anderen helden an, und natürlich stirbt er letztendlich...
F: Ich glaube es kam noch ein neuer Film mit dir heraus, „The Urn“. Kannst du uns etwas über die Geschichte und deine Rolle in dem Film erzählen?
Armin Shimerman: Oh, „The Urn“. Ich habe die Rolle angenommen, weil ich das Theater so mag. Es gibt ein sehr bekanntes amerikanisches Stück namens „Arsenic and old Lace“, und das Stück wurde in einem Film mit Boris Karloff und Peter Lorre umgesetzt. Und die Rolle die ich nun spiele ist ziemlich ähnlich zu der von Peter Lorre, und die Beziehung zwischen den beiden - zwischen mir und dem anderen Charakter - ist sehr ähnlich zu der Beziehung zwischen Boris Karloff und Peter Lorre in „Arsenic and Old Lace“. Das fand ich ungemein lustig. Und es war lustig geschrieben - das Drehbuch war sehr gut. Also habe ich beschlossen, mitzuspielen, und es hat mir sehr viel Spaß gemacht. Ich weiß nicht, ob es je herauskommen wir oder nicht, aber ich hoffe, dass es bald herauskommt. Ich habe schon länger nichts mehr gehört und weiß daher nicht wann es eigentlich herauskommt.
F: Wenn du heute auf deine bisherige Karriere im Showgeschäft zurückblickst, was war deine beste Rolle und was war die anstrengendste Rolle, die du gespielt hast?
Armin Shimerman: Die beste Rolle war ein Charakter namens Goldberg in einem Stück von Harold Pinter, „The Birthday Party“, in dem Andy Robinson Regie geführt hat. Das war eine anstrengende Aufgabe, und ich bin in Bereiche meines Vorstellungsvermögen eingedrungen, die nicht sehr nett sind, nicht sehr angenehm, und es war ein Theaterstück, also musste ich es jeden Abend tun. Es war sehr anstrengend, aber es war auch sehr erfolgreich. Und ich denke, was ich erreichen wollte, ist geglückt.
Die anstrengendste Rolle wäre wohl „Cyrano von Bergerac“ gewesen, wegen der Textzeilen. Es waren einfach so viele, Tonnen von Zeilen. Aber noch wichtiger ist, der Charakter war sowohl Soldat als auch Romantiker. Und das war sehr, sehr schwierig zu spielen. Kitty hat mir dabei sehr geholfen. Das war wohl die schwierigste Rolle.
Ich denke ihr wolltet eher etwas von Fernseh- oder Filmrollen hören, aber - sie sind anstrengend, ja, aber nichts ist so anstrengend wie eine Rolle auf der Bühne, denn es gibt keinen zweiten Take im Theater. Du kannst nicht anhalten und nochmal von vorne beginnen. Und du musst drei Stunden am Stück spielen. Es muss immer weiter gehen, immer weiter und weiter... und es ist, wie wenn man auf einem dünnen Seil balancieren müsste. Wenn du dich das Gleichgewicht verlierst, fällst du herunter. Und du kannst jeden Moment herunterfallen. Und es liegt nicht nur an dir selbst, sondern auch an allen anderen, und sie müssen genauso perfekt arbeiten wie du. Und das Licht muss perfekt sein. Es ist eine enorm gemeinschaftliche Sache. Es ist, nehme ich an, wie ein Drahtseilakt: du springst in die Luft und hoffst, dass der andere dich greift. So ist Theater auch. Du hoffst, dass der andere dich auffängt, und wenn er es nicht tut, bist du auf dich alleine gestellt.
Bei Fernsehrollen ist das schwierige, dass man so wenig Zeit hat, alles einzustudieren.
F: Du hast schon einige Bücher geschrieben. Sind weitere geplant?
Armin Shimerman: Ja! Ich schreibe einen vierten Roman, und habe nun ungefähr die Hälfte. Der Charakter ist der gleiche, John Dee, aber der John Dee der bisherigen Romane ist eine Kombination aus dem historischen John Dee und Quark - mehr Quark als alles andere, denn alle wollen, dass ich das schreibe.
Aber das, was ich jetzt schreibe, ist über die historische Person, die überhaupt nichts von Quark hat, und alles was ich in dem Roman schreibe, ist historisch korrekt. Der Leser wird also, ob er den Roman nun mochte oder nicht, am Ende viel über Geschichte gelernt, über die Realität in den 1580er und 1590er Jahren. Es war die Zeit, in der Elizabeth die Königin von England war, Shakespeare war am leben, er kommt auch in dem Buch vor, und es gab einen großen religiösen Krieg überall in Europa - vor allem in England im Jahr 1583, wo der Roman spielt.
F: Wirst du eigentlich auf der Straße erkannt? Und was war das lustigste, was du je mit einem Fan erlebt hast?
Armin Shimerman: Ich glaube ich werde mehr erkannt, als mir das bewusst ist. Ich bin sehr schlecht darin, es zu erkennen, wenn ich erkannt werde [lacht]. Aber ich gehe einfach davon aus, dass die Leute nicht wissen, wer ich bin. So lebe ich. Und wen die Leute mich erkennen, ist es immer sehr überraschend aber auch sehr schmeichelhaft. Es ist sehr nett, wenn sie mir sagen „Hey, ich habe deine Arbeiten gesehen.“ Ich bin nie unangenehm überrascht von so etwas. Aber nicht nur, weil ich die Maske auf hatte, sondern auch weil nicht jeder die Serien sieht, in denen ich hauptsächlich mitgespielt habe. Es ist immer... wenn die Leute zu mir kommen und sagen „Ich mochte dich in deiner Show!“, muss ich, weil ich so viel gemacht habe, immer fragen „Welche Show?“. Und es ist nicht immer „Star Trek“ und es ist nicht immer „Buffy“. Manchmal ist es „Boston Legal“, manchmal „Seinfeld“ oder auch „The invisible Man“. Ich habe sehr viel gemacht, und bin darüber sehr glücklich.
Das interessanteste Erlebnis mit einem Fan war vor vielen, vielen Jahren auf einer Convention in Phoenix in Arizona, und ich beantwortete Fragen aus dem Publikum. Und ein kleiner Junge, vielleicht sieben oder acht Jahre alt, hob seine Hand und ich rief ihn auf und sagte „So, was ist deine Frage?“. Und er stellte mir eine Frage, ähnlich wie ihr vorhin, aber etwas entzückener: „Wie ist es, eine Actionfigur zu sein, und spielst du manchmal mit dir selbst?“ Ich weiß nicht, ob sich das übersetzen lässt, aber das Publikum brüllte los vor Lachen, und lachte wirklich ungefähr fünf Minuten lang. Und ich stand nur da und konnte nicht glauben, was mich dieser achtjährige Junge gerade gefragt hatte. Schließlich sagte ich nur „Nächste Frage“ [lacht]. Das war wohl das bezauberndste Erlebnis...
Aber ich habe noch etwas. Es war bei einem Star-Trek-Event. Ich kam von der Convention und hatte mein Auto am Flughafen geparkt und da war diese Frau vom Parkservice, und sie schaute nur hoch und sah mich und ohne mich zu begrüßen sagte sie nur (sie war offenbar „Buffy“-Fan): „Sie behandeln diese Kinder schrecklich!“ [lacht] Und ich setzte nur strengsten Snyder-Blick auf und sagte ohne mit der Wimper zu zucken „Sie verdienen es!“
Und das ist alles was wir sagten, sie nahm das Geld und das war es. Ich mochte diese Begegnung. Es war sehr lustig.
F: Du hast vorhin „Boston Legal“ erwähnt. Welche Erfahrungen hast du bei der Arbeit an dieser verrückten Serie gemacht?
Armin Shimerman: Oh, ich habe sie geliebt! »Boston Legal« war eine großartige Erfahrung für mich aus vielerlei Gründen: Erstens hatte ich schon bei einigen Serien von David Kelley mitgearbeitet, und ich freute mich schon sehr darauf, auch bei dieser mit dabei sein zu können. Ich wusste, dass er mich eines Tages engagieren würde, ich wusste nur nicht wann. Und dann gab es einen zufälligen Umstand. Ich drehte acht Episoden von »Boston Legal«, und was passiert war, ist, dass ich gecastet worden bin... Für meine erste Episode war ich als Richter besetzt worden, für welche ich... Ich habe schon zwei Mal einen Richter für David Kelley bei zwei anderen Serien gespielt. Ich war also als Richter besetzt worden und zur gleichen Zeit, als ich dort arbeitete, durch einen glücklichen Zufall, ging David Kelley in seine Autoren-Abteilung, und sagte allen dort, dass sie sich ein paar Wochen Urlaub nehmen sollten. Er wollte die nächsten paar Episoden selbst und alleine schreiben. Und er hatte diese Idee von diesem großen Prozess und in diesem Prozess... es ging um den Mord an einer Richterin. Und diese Richterin war mit einem anderen Richter verheiratet, und in diesen Mordfall waren auch noch mehrere andere Personen verwickelt. Aus welchem Grund auch immer wollte David Kelley einen... die tote Richterin war die Ehefrau. Kelley wollte, dass der noch lebende Ehemann und Richter ziemlich klein war. Ich weiß nicht warum, aber er wollte, dass er eine kleine Person sein sollte. Und sie suchten Schauspieler, veranstalteten ein Casting, auch Ethan Phillips von „Voyager“ war dabei. Aber er war mit keinem zufrieden. Und irgendwann sagte er „Armin spielt den Richter! Armin wäre perfekt dafür.“ Wir änderten nur den Namen des Richters von dem, den er sich für diesen neuen Prozess ausgedacht hatte in den Namen des Richters, den ich in der ersten Folge gespielt hatte, und so hatte ich anstatt einer Folge später acht Stück in der Serie.
Und in der dritten Folge von „Boston Legal“ gaben sie mir und meinem Freund Rene Auberjonois, der regulär in der Serie mitspielte, sie gaben uns beiden eine Szene, die wir zusammen spielen sollte. Sie hatte wirklich sehr wenig mit der Serie zu tun, sie brachte weder die Handlung noch die Charaktere weiter, der einzige Grund, warum es die Szene gab, war, weil es genau die Art von Szene war, die Rene und ich immer in „Star Trek“ hatten. Es war eine richtige Quark-und-Odo-Szene. Wir dachten es sei ein Scherz, wir dachten David Kelley hatte uns einen Scherz geschrieben. Und Rene sagte immer wieder, das wird nie gemacht werden, sie werden das nie drehen. Aber letztendlich drehten wir es doch, und lustigerweise war der Mann, der die Szene beleuchtete, der Mann, der auch unsere Szenen in Star Trek immer beleuchtete, wir hatten also großen Spaß daran, nochmal eine Quark-und-Odo-Szene zu machen. Aber es war noch ein Mann da, der noch nie Star Trek gesehen hatte. Er kannte Rene, weil Rene viele Folgen in der Serie hatte, und als wir fertig waren - dieser Mann, der nie Star Trek gesehen hatte und nichts über unsere Beziehung zueinander wusste, sagte zu uns „Ihr beide spielt super zusammen. Es sieht so aus, als ob ihr das schon euer ganzes Leben getan hättet!“ [lacht]
Und wir grinsten nur und sagten „Ja, haben wir!“
Also „Boston Legal“ war herrlich. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht.
Kitty Swink: Und sie haben Johnny engagiert.
Armin Shimerman: Sie haben Johnny [Ethan] Phillips einen Job gegeben. Er konnte zwar den Richter nicht spielen, aber er konnte den Ehemann einer anderen Person spielen, und darum hatte ich die Gelegenheit, eine Menge Zeit neben ihm sitzend in den Szenen im Gerichtssaal zu verbringen.
F: Ich habe eine andere Frage: In einem vorherigen Interview hast du gesagt, dass du sehr gern bei „Heroes“ mit dabei sein würdest. Hast du diesen Plan immer noch und was magst du so an „Heroes“?
Armin Shimerman: Ich würde immer noch gern bei „Heroes“ mit dabei sein. Ich hatte ein Casting für die Serie, aber es hat nicht geklappt. Bob Picardo [der Doktor in „Star Trek - Voyager“, Woolsey in „Stargate Atlantis“] und ich waren beide dort, aber keiner von uns beiden hat die Rolle bekommen. Was ich an „Heroes“ mag? Ich bin nicht... Ich bin nicht mehr so ein großer Fan von „Heroes“ wie zuvor. Schreibt das bitte nicht! Es ist bereits aufgenommen, es ist zu spät! Was mag ich daran? Ich mag die Drehbücher. Ich denke, dass die Drehbücher sehr einfallsreich sind, aber ich würde sehr gern in einer Folge mitspielen, vielleicht jemanden, der zu der Organisation gehört, die sie bekämpfen. Das wäre toll.
F: Vielen Dank für das Interview und dass du uns unsere Fragen beantwortet hast, Armin. Wir wünschen dir einen schönen Abend hier.
Interview mit Armin Shimerman, geführt am 18.10.2008 im nh Parkhotel Deggendorf im Rahmen des „FKM-Events“ „An Evening with Armin Shimerman“ von Andrzej Tokarski (scifi-trek.de) und Christian Spieler (eguide-online.de). Ins Deutsche übersetzt von Ruben Deyhle (scifi-trek.de).
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