Es ist nicht tot, Jim!
- Ein Star Trek 11 Review
Achtung: Viele Spoiler!
Als 2005 die letzte Episode von „Star Trek Enterprise“ über die Fernseher flimmerte, war Star Trek am Ende. Achtzehn Jahre lang wurde uns ein Abenteuer nach dem nächsten geliefert, eine Episode mit unseren Lieblingen nach der anderen. Davon liefen sieben Jahre lang sogar zwei Serien gleichzeitig! Star Trek war ausgeschöpft, Profit konnte nicht mehr ausreichend eingespielt werden.
Vier Jahre später wagt Produzent J.J. Abrams den Neuanfang mit alten Charakteren in neuen Gewändern. Kirk, Spock und Co betreten wieder die Leinwände, als frische Sprösslinge aus der Sternenflottenakademie. Ein gewagtes Konzept, das gut durchdacht sein muss, um nicht die hardcore Trekkies gegen sich aufzubringen. Gleichzeitig muss der Film die Massen begeistern können, anders kann Star Trek nicht wieder zum Leben erweckt werden. Das ist auch der Grund, weshalb der Film nur „Star Trek“ und nicht „Star Trek XI“ heißt, damit er nicht als Fortsetzung angesehen wird.
Abrams und sein Team mussten eine Balance zwischen der Eignung für die Fans und für die Massen finden, eine Balance zwischen Actionfilm und Star Trek. Das ist Abrams gelungen. Neben der nötigen Action, den vielen Effekten und teils überladener Musik, ist genug Platz für reichlich Star Trek und Insider für die Trekkies.

Gleich zu beginn des Film bekommen wir etwas zu sehen, das Star Trek so großartig macht. Der Captain der USS Kelvin, das Schiff auf dem James T. Kirks Vater dient, ist ein Araber. Das hat ähnlichen Charakter, wie die Schwarze Uhura, der Asiat Sulu oder der Russe Chekov auf der Brücke der Enterprise vor 40 Jahren.
Ist James T. Kirk erstmal in der Akademie der Sternenflotte, bekommen wir seinen legendären Auftritt beim Kobayashi-Maru-Test zu sehen, von dem uns in „Star Trek: Der Zorn des Kahn“ erzählt wurde. Auf der Akademie trifft Kirk auch erstmals auf seinen späteren Freund McCoy und wir erfahren, wie McCoy seinen Spitznamen „Bones“(auf Deutsch „Pille“) bekam. Hier wird auch McCoys erste Frau erwähnt [Star Trek Episode: Das Letzte seiner Art]. Zu hoffen ist an dieser Stelle, dass bei der Synchronisation nichts schief läuft und der Wortwitz im Film nicht vermasselt wird.
Bei der ersten Außenmission von Kirk passiert etwas Göttliches. Ganz im Sinne der originalen Serie stirbt gleich am Anfang der unbekannte Crewman in roter Uniform. Das obligatorische „Er ist tot, Jim!“ fällt leider weg. In der selben Szene sehen wir auch die Fechtbegabung von Sulu, die für TOS Fans nichts unbekanntes sein sollte [Star Trek Episode: Implosion in der Spirale].
Tränen werden Trekkies in den Augen stehen, wenn der alte Spock (Leonard Nimoy) zu Kirk abermals die aus „Star Trek: Der Zorn des Kahn“ so berühmten Worte sagt „Ich bin und werde es immer sein. Ihr Freund!“. Ähnlich gut kommt auch sein „Lebe lang und in frieden“ rüber, sowie der Vulkanier-Gruß zu seinem jüngeren ich mit den Worten „Viel Glück“, um dessen Probleme als „Mischling“ leichter werden zu lassen.
Die Schauspieler für die Crew der Enterprise wurden sehr gut ausgewählt. Chris Pine ist der zu erwartende, draufgängerische, zum Anführer geborene Landjunge aus Iowa, der gerne mal draufhaut. Auch Zachary Quinto spielt die Rolle des jungen Spock eindrucksvoll und kann dessen inneren Kampf zwischen menschlicher und vulkanischer Hälfte realistisch darstellen. Er sieht seinem Original auch am ähnlichsten. Außerdem können Chris Pine und Zachary Quinto realistisch die anfängliche Spannung zwischen Kirk und Spock, zwei völlig unterschiedliche Charaktere, rüberbringen.
Zusammen mit Kirk und Spock, spielt McCoy in der originalen Serie das unbesiegbare Trio. Karl Urban kann unsere Pille gut Leben einhauchen, schafft es sogar die berühmten kleinen Streitigkeiten zwischen ihm und Spock zu erwecken.

John Cho spielt einen überzeugenden Sulu, hat bis auf die Fechtszene aber wenig zu tun. Beeindruckender ist der 18 Jährige Anto Yelchin, der das 17 Jahre junge Genie Chekov verkörpert. Bedenklich ist jedoch, dass der Computer seine Stimme anfangs nicht erkennt. Seit wann ist die Sternenflotte rein amerikanisch?
Lustig ist auch Simon Pegg als Scotty, der perfekt für die Rolle geeignet ist. Er sieht seinem original am wenigsten ähnlich, ist dafür aber ein humorvoller Schauspieler.
Uhura wird von Zoë Saldana gespielt, die aus Uhura eine intelligente Frau macht, die vom Wissen und ihrer Aufgabe her mit Hoshi aus „Star Trek: Enterprise“ Ähnlichkeiten hat. Das Bild der Frau hat sich im Film gewandelt, ist anders als in den 60ern aber keine Sensation mehr. Dort war allein die Tatsache, dass eine Frau, die auch noch schwarz war, gleichberechtigt mit allen anderen war, revolutionär.

Auch wenn es die vielen Referenzen zum originalen Star Trek gibt, sticht die durchgehende Action etwas im Auge. Alles wurde um einiges beschleunigt. Waffen werden schneller abgeschossen, beim Sprung auf Warpgeschwindigkeit gibt es einen lauten Knall, Briefings werden im laufen gehalten und eine Verfolgungsjagd zwischen einem hoch entwickelten Motorrad und Auto werten dies alles andere als auf. Aber auch der Sprung aus mehreren tausend Meter Höhe ist akzeptable, da diese Action und die vielen Effekte nötig sind um die breite Masse in die Kinos zu bewegen.
Die Kulissen des Films sind sehr eindrucksvoll. Die Brücke der Enterprise wurde natürlich überholt, Konsolen aus Pappe sind nicht mehr zeitgemäß. Von der Anordnung der Posten bleibt die Brücke im großen und ganzen aber die selbe. Schlimmer ist es mit dem Maschinenraum, der plötzlich an eine Bierbrauerei erinnert und mit den bisherigen Warpkernen nichts zu tun hat.
Die Geschichte, die wir aus über 40 Jahren Star Trek kennen, wird bis auf ein Ereignis in akzeptablem Maße umgeschrieben. Dass Uhura eigentlich keinen cardassianischen Sunrise bestellen kann, da noch kein Kontakt zu den Cardassianern hergestellt wurde, ist nicht weiter schlimm. Auch, dass Kirk Uhura großzügig einen Drink spendiert, obwohl es kein Geld geben dürfte, ist hinnehmbar. Eine Beziehung zwischen Uhura und Spock wurde auch nie erwähnt, OK. Aber wie kann es sein, dass der Planet Vulkan zerstört wird? Nicht den geringsten Hinweis finden wir in den nachfolgenden Serien und Filmen. Und da ohne die Zeitreise von Nero und dem alten Spock der junge Scotty laut dem Film nie auf die Enterprise gestoßen wäre, muss all dies auch ursprünglich vor TOS passiert sein. Ein Fehler, der nicht hätte eingebaut werden dürfen.
Trotzdem schafft der Schluss puren Star Trek auf den Bildschirm, als Kirk, Spock, McCoy, Uhura, Chekov und Scotty die Brücke der Enterprise betreten, die Musik aus der originalen Serie eingespielt wird und die Worte „Der Weltraum, unendliche weiten“ in die Seele eindringen.
Klar, durch die mittelmäßige Handlung ist der Film für einen echten Trekkie nicht perfekt. Aber perfekter hätte er nicht sein können, ohne Star Trek den letzten Todesstoß zu geben. Die Essenz, Referenzen und Gags zum originalen Star Trek zusammen mit der vielen Action machen den Film zu dem, was Abrams angekündigt hat. Ein Film für Trekkies und Neulinge. Dieser Film wird den Weg zu einem 12. Star Trek Film ebnen und ich kann sagen: Es ist nicht tot, Jim!





